Oscillars Radar N°12/26
Happy Muttertag
Auch wenn ich kein Freund von diesen bestimmten Tagen bin, an denen dann einmal im Jahr irgendwer oder irgendwas gewürdigt wird (so wie Feuerwehr, medizinisches Personal oder auch der Handtuchtag am 25.05), so ist der Muttertag doch irgendwie ein besonderer. Er bietet uns eine gute Gelegenheit, alle Mütter nochmal besonders zu ehren. Das gilt für alle, die in einer wie auch immer gearteten Mutter-Rolle unterwegs sind. Heutzutage ist diese ja eher breiter gefächert. Es gibt das eher “normale” Familienmodell, aber beispielsweise auch in Patchwork-Kontexten, für Frauen ohne Kinder, die aber als “Stiefmutter” für die Kinder ihrer Partner genauso da sind wie biologische Mütter. Allen sollen heute unsere besonders liebevollen Gedanken und unser Dank gelten. Ich habe heute auch meine liebe Mutter angerufen. Sie ist aus einer Generation, die aus meiner Sicht unfassbares bewältigt hat, bewältigen musste. Aus einer oft eigenen schweren Nachkriegs-Kindheit herangewachsen haben sie ihre Kinder, oft mehrere (bei uns 3) großgezogen, den Haushalt mehr oder weniger allein geschmissen, und das ohne vollautomatische Spül- und Waschmaschinen. Das alles während sie auch noch Vollzeit mit mindestens 40h pro Woche gearbeitet haben. Da ich weiß, dass meine Mutter auch immer jede Woche fleißig meine Newsletter liest (das allein schon toll), hier nochmal ganz dick und liebevoll: DANKE meine liebe Mutter, für ALLES!
PERSÖNLICHES - Mein Highlight der Woche
Gestern hatte ich die Möglichkeit mir das Spiel der Dresden Monarchs zum Saisonauftakt anzuschauen (Danke Robert!). Wer es nicht weiß: Die Dresden Monarchs spielen American Football und soweit ich die Historie mitbekommen habe, das auch ziemlich erfolgreich. Sie waren schonmal Deutscher Meister (als erste Mannschaft aus den neuen Bundesländern) und haben auch schon mehrmals das deutsche Finale erreicht. Bisher habe ich American Football immer nur im TV gesehen und irgendwie nie so ganz die Regeln verstanden und auch nicht so recht den Hype darum. Aber seit gestern muss ich sagen, bin ich echt mindesten mal begeisterter Zuschauer geworden. Zum einen kenne ich jetzt die Regeln mal schon ganz grob und gut (hier Dank an Kai!). Das hilft schonmal beim Zuschauen und Verstehen des Spiels. Zum anderen war eine so tolle Stimmung im Stadion, das neue Heinz-Steyer in Dresden, die einen wirklich mitgerissen hat. Geholfen hat sicher, dass die Monarchs sehr eindeutig gegen Braunschweig gewonnen haben.
Was ebenfalls bemerkenswert war und mir extrem aufgefallen ist: Alle waren wahnsinnig freundlich, Fans von beiden Seiten sind sehr respektvoll miteinander umgegangen. Es gab keine Pfiffe oder ähnliches. Wenn mal ein gegnerischer Spieler verletzt am Boden lag, haben alle im Stadion unterstützend geklatscht, bis der Spieler wieder auf den Beinen stand. Das mal nur als EIN schönes Beispiel für das Fairplay der Fans. Und die Spieler sind ebenso gut und den anderen achtend auf dem Platz miteinander umgegangen. Im Stadion war eine super Atmosphäre, Familien fühlten sich ebenso wohl wie jüngere oder ältere Zuschauen. Eine wirklich familiäre Stimmung. (Leider kann man das, und ich spreche aus eigener Erfahrung, insbesondere nicht vom größten in Dresden bekannten Club und den Fan-Erlebnissen in deren Stadion sagen.)
Sicher war das nicht mein letzter Besuch eines Spiels der Dresden Monarchs. Ich drücke ihnen die Daumen, vielleicht klappt es ja mit der Meisterschaft dieses Jahr. Der Anfang ist gemacht. Wer sich ein wenig mehr mit dem Verein und Club beschäftigen will, besorgt sich die Fan-App und kann auch die Ergebnisse der Liga hier (live) verfolgen.
IMPULSE - Inspirationen für Kopf, Körper, Seele
Seit einigen Tagen läuft Arda Saatçi, ein Berliner (Sport-)Influencer in den USA durch das Death Valley bis nach LA. Sein Ziel war es, dies in 96h zu schaffen, 600km. Leider ist ihm das nicht gelungen. Die Zeit ist verstrichen, ohne dass er rechtzeitig sein Ziel erreicht hat. Nichtsdestotrotz hat er entschieden weiter zu laufen, um die 600km zu schaffen, Zeit hin oder her. Ich habe immer mal sporadisch in die Live-Streams reingeschaut und fand schon sehr beeindruckend, was er da leistet. Eben war ich nochmal live im Stream bei YouTube. Er ist grad bei 575km. Also er sollte es so die nächsten 4-5h tatsächlich schaffen. Wenn der Newsletter ankommt, könnt ihr sicher noch live reinschauen.
Millionen haben ihm über die Tage zugeschaut. Wir Menschen sind ja von solchen fast übermenschlichen Leistungen immer sehr begeistert. Es zeigt uns, was möglich ist mit unseren Körpern und mehr noch mit unserem Kopf und der mentalen Stärke dahinter. Sicher hat nicht jeder die körperlichen Voraussetzungen dafür und gesund ist das vermutlich auch alles nicht, was er da tut. Trotzdem immer wieder faszinierend, wenn Menschen die Grenzen des Normalen verschieben. Und er gibt mit seiner Leistung und auch mit seinen Kommentaren unterwegs sicher vielen Menschen Zuversicht, auch schwierige Situationen zu meistern. In seinem Falle ist diese schwierige Situation nicht nur der Lauf, sondern auch sein vermeintliches Versagen, es nicht in 96h nicht geschafft zu haben. Aber er hat nicht aufgegeben. Er bringt es (scheinbar) zu Ende. Tolle Inspiration, so oder so!
LIFESTYLE & KULTUR - Das Schöne
Heute gibt es hier unter Lifestyle & Kultur eine neue Buchempfehlung von mir. Letzte Woche war mein Buchtipp “Lösungen” ja bei der Rubrik “Impulse - Inspirationen…” erschienen. Das ist ganz bewusst heute also entschieden, da das gleich zu beschreibende Buch “Faserland” von Christian Kracht tatsächlich inhaltlich genau zu Lifestyle & Kultur passt.
Ich habe es in nur wenigen Tagen durchgelesen (kein Wunder, es ist relativ schmal). Es ist von 1995 und das soll an Information reichen. Wer mehr zu Verlag und Autor wissen möchte, dem sei der Wikipedia-Link empfohlen.
Eins vorweg, ich mochte das Buch sehr. Der Protagonist hat etwas, was ihn mir trotz aller im Buch beschriebenen Widerlichkeiten (durch und an ihm und von ihm erlebte), sympathisch und mitleidverdienend erleben lässt. Es spielt in einer Zeit, die mir aufgrund meines Alters vermutlich relativ nah ist. Wobei ich mit meiner ostdeutschen Vita wohl eher nicht von solchen Erlebnissen „betroffen“ sein konnte. Allerdings kannte ich zu der Zeit Menschen, bei denen für mich das im Buch Beschriebene vorstellbar war. Es geht aus meiner Sicht vor allem um Midtwenties nach der Wende, die im Westen (also gemeint nicht nur Westdeutschland) der 2. Nachkriegsgeneration angehörten und deren Elterngeneration auf welchen Wegen auch immer relativ große Vermögen angehäuft hatten. Und nun beschreibt Kracht, wie es diesen Kindern geht. Wie es ihnen geht mit der vielen Kohle, den großen Wohnungen in Hamburg, Frankfurt oder München, für die sie nichts können. Wie es ihnen geht, ohne irgendeine (im Buch sichtbare) Anwesenheit ihrer Eltern, ohne die Notwendigkeit für sich sorgen zu müssen, einfach nur da zu sein und wie schwer das ist, dieses Einfachnurdasein.
Vielleicht ist es gar kein Zufall, dass ich dieses Buch gerade jetzt in die Hände bekommen habe. In einer Zeit, wo auch im Osten die 2. Generation nach der Wende aufwächst, die zum Teil (sicher nicht zum größten und eher noch wenige) ähnliche Sinn-Krisen erleben wie im Buch beschrieben. In einer Zeit, wo an sich viel über Orientierung bzw. deren Abhandensein gesprochen wird. Ich fand das Buch jedenfalls absolut aktuell und man kann es heute sicher genauso noch und wieder lesen wie vor über 30 Jahren.
Irgendwie hat es mich auch an Stuckrad-Barre und Soloalbum erinnert. Ich weiß gar nicht mehr ganz genau, worum es in Soloalbum ging. Aber ich meine der etwas atemlose Stil von Stuckrad-Barre und Kracht ist ähnlich. Vielleicht sollte ich das als Anlass nehmen, Soloalbum nochmal aus dem Regal zu nehmen und zu entstauben.
P.S.: Übrigens ist meine Interpretation des Titels: alles zerfasert..nichts ist fest..belastbar..zuverlässig. Aber es gibt sicher noch viele andere Interpretationsmöglichkeiten, oder?
WERTE & FINANZEN - Relevantes vom Markt*
Wie im letzten Newsletter beschrieben schaue ich mir für den nächsten Kauf in unser Musterdepot (siehe hier live bei Parqet) gerade sehr intensiv die SAP-Aktie an. Lest gern nochmal meine Bewertung dazu von letzter Woche. Wie angekündigt war am 05.05., also vor wenigen Tagen, die Hauptversammlung von SAP. Die wollte ich ja noch abwarten vor einer Entscheidung. Hier nun die wichtigsten positiven Erkenntnisse von dem Termin:
1. Dividende wird um +6,4% auf 2,50€ erhöht — Insgesamt fließen rund 2,88 Mrd. € an die Aktionäre. Das ist insbesondere deswegen positiv, weil meist als erstes bei der Dividende gespart wird, wenn die Firmen unter Kostendruck stehen. Dies ist offensichtlich bei SAP nicht der Fall.
2. Aktienrückkaufprogramm 10 Mrd. € — Bis Ende 2027 will SAP eigene Aktien im Wert von bis zu 10 Mrd. € erwerben. Die erste milliardenschwere Tranche hat der Konzern bereits Anfang April abgeschlossen. Das Management kauft aktiv eigene Aktien bei Kursen um 161€ — während die Aktie gerade bei ca. 146€ steht. Interpretation: Die Firma glaubt an ihre Zukunft und hält den Aktienkurs für unterbewertet. Sonst würden sie nicht eigene Aktien zurück kaufen.
3. René Obermann als neuer Aufsichtsratschef — Der frühere Telekom-Chef René Obermann wurde gewählt und soll den Aufsichtsratsvorsitz 2027 übernehmen. Er gilt als operativ starker Manager mit Tech-Erfahrung — das ist ebenfalls ein starkes Signal.
Zusätzlich läuft vom 11.-13.05. eine große SAP Conference in Orlando. Der CEO Christian Klein und sein Team wollen dort Fortschritte von SAP bei KI und Cloud präsentieren. Ich gehe davon aus, dass dort gute Nachrichten verkündet werden und dies sich ebenfalls positiv auf den Kurs auswirkt.
Meine Entscheidung: Morgen 09.00 Uhr nach Markteröffnung werde ich SAP-Aktien kaufen. Für das Musterdepot wird der Kauf dann adäquat im Wert von 1.000€ umgesetzt. Das werden dann so 6-7 Aktien sein. Wünschen wir uns Erfolg für unseren 3. Kauf.
MUSIK - Tipps zum Tanzen und Hören
Aktuell höre ich neben Tame Impala (immer noch geflasht vom Konzert in Berlin) viele Songs von Rosalía.
Sie stammt aus Spanien und ich kenne sie seit letztem Jahr durch 2 ihrer Songs (und mittlerweile natürlich einige mehr). Sie verbindet auf spannende Weise den Flamenco ihrer Heimat mit moderner Popmusik. Aber nicht nur, und das macht ihre Musik aus. Sie ist wahnsinnig vielfältig, modern, traditionell, teilweise düster, fast immer emotional und manchmal auch sehr kunstvoll. Auch wenn sie auf Spotify fast 31 Mio Menschen hören, ist sie doch nicht Mainstream. Also wem spanischer Flamenco oder eben vom Spanischen beeinflusste Musik generell gefällt und wer ein wenig offen für Experimente und Ungewöhnliches, gleichzeitig aber auch melodiös und mitreißend mag - dem wird auch mindestens so wie mir Rosalía gefallen. Meine Favoriten wie immer hier:
Ach ja, und tanzen kann man zu ihren Songs natürlich auch.
Genießt die kurze Woche. Laufend, singend, hörend, lesend vielleicht.
*Ein kleiner Nachtrag in eigener Sache (Disclaimer): Ich teile hier meine persönlichen Gedanken und Investitionen. Dies ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Märkte sind unberechenbar, und Investitionen sind immer mit Risiken verbunden. Bitte bilde dir immer deine eigene Meinung und investiere nur Geld, dessen Verlust du dir im schlimmsten Fall leisten kannst.







