Oscillars Radar N°6/26
Der Frühling schaute vorbei
Leider macht er wohl grad etwas Pause. In den Alpen krasse Schneefälle, bei uns nachts wieder unter null Grad und in den nächsten Tagen wohl mehr Grau und Regen. Deswegen noch ein schöner Bildergruß von gestern, als wir die Sonne an der Elbe noch etwas genießen konnten samt Blütenmeer.
PERSÖNLICHES - Mein Highlight der Woche
Letzten Montag waren wir in Berlin, in Huxleys Neue Welt. Divine Comedy, wirklich eine unserer Lieblingsbands, spielten dort um ihr famoses neues Album vorzustellen. Und das allein ist schon besonders, weil die wirklich nur alle paar Jahre in Deutschland Konzerte geben. Wir hatten sie schonmal in Köln erleben dürfen. Umso mehr freuten wir uns nun auf dieses neuerliche Konzert.



Für mich war es auch das erste Konzert im Huxley. Das Gebäude liegt irgendwie ganz lustig zwischen Edeka und Aldi neben der Hasenheide in Neukölln. Echt ungewöhnlich für einen Club. Aber drinnen fand ich ihn echt schön, nicht zu groß, nicht zu klein, mit guter Atmosphäre und alles gut organisiert von dem Team dort. Ein wenig wie das Beatpol in Dresden, nur in größer. Doch nun zur Band und dem Konzert.
Auch dieses Mal ist die Band und insbesondere natürlich ihr Sänger, der aus Nordirland stammende Neil Hannon, meinen Erwartungen absolut gerecht geworden. Er ist wirklich ein verdammt smarter, witziger Typ, der nicht einfach nur gut performen und singen kann, sondern mit seiner wunderbaren (englischen) Sprache zwischendurch auch charmante Ansagen macht. Ein echter britischer Dandy im schicken, dunklen Anzug und anfangs noch mit cooler Sonnenbrille. Die Musik selbst ist schwer zu beschreiben, schon Pop sicher, aber oft so ein bisschen Chanson-mäßig, auch mal richtig hymnisch und orchestral, wunderbar rhythmisch immer und durchaus schön tanzbar. Die Melodien sind eingängig und lassen einen richtig in seine Geschichten eintauchen, die er mit seinen oft poetischen Texten entwickelt.
Ich kann euch seine Musik wirklich nur wärmstens ans Herz legen. Nehmt euch ein wenig Zeit, vielleicht am besten mit einem “Best of Album” von ihm. Dann spürt ihr, was ich meine.
IMPULSE - Inspirationen für Kopf, Körper, Seele
Seit einigen Jahren wird ja intensiv über die Rolle des Mannes in der Gesellschaft diskutiert und durch aktuelle medial sehr präsente Ereignisse rückt das Thema wieder akut in den Fokus der Aufmerksamkeit. Mir fiel die Tage dazu wieder ein Buch ein, welches ich schon vor einigen Jahren gelesen habe. Vielleicht hilft es vor allem dem ein oder anderen Mann, sich besser zu verstehen. Und wenn ich verstehe, kann ich auch proaktiv handeln und mein Handeln bestimmen. Ich bin nicht irgendwelchen Zwängen oder Trieben oder alten Erziehungsmustern ausgeliefert. Und im Sinne dieses Verstehens kann dieses Buch unterstützen.
Es geht um ein Märchen. Ja richtig, ein Märchen.
Zugegeben allerdings nur um ein Buch, welches von einem Märchen handelt. Oder besser vielleicht, ein Buch, in welchem ein Märchen behandelt wird. Oder so?!
Man merkt an meinen Anfangszeilen, dass es wohl nicht so ein „normales“ Buch, kein Roman, ist. Und warum passt dieses Buch zum o.a. Thema - weil es darin um die Mannwerdung geht. Also für mich zumindest ein eher ungewöhnliches Thema. Weniger aus meiner Biografie heraus (da ich ja einer bin), sonder eher in literarischer und psychologischer Hinsicht. Damit habe ich mich bisher noch nicht tiefergehender beschäftigt. Ein Versäumnis, wie ich beim Lesen des Buches feststellen musste.
Der Autor des Buches heißt Robert Bly und er erklärt die Entwicklung eines Jungen hin zu einem Mann anhand des alten Grimmschen Märchens vom “Eisenhans”. Zugegeben kein Märchen, welches ich aus meiner Kindheit kenne. Es ist mir hier zum ersten Mal begegnet. Und so im Nachhinein muss ich sagen, dass ich es als Kind vielleicht auch etwas seltsam gefunden hätte. Wobei das natürlich auch damit zu tun haben kann, dass ich über 300 Seiten gelesen habe, in denen dieses Märchen mehr oder weniger Zeile für Zeile von Bly „durchanalysiert“ wurde. Und dies tut er mit fast ausschließlichem Fokus auf den Mann als solchen und dessen Entwicklung. Bly ist amerikanischer Schriftsteller und ein Protagonist der frühen Männerbewegung (Wiki und seine Homepage).
Empfohlen hat mir das Buch Gunther Schmidt im Rahmen meiner damaligen Ausbildung zum hypnosystemischen Coach am “Meihei“ in Heidelberg. Ich bin ihm wirklich dankbar für den Tipp! (Also richtigerweise hat er es der ganzen Kursgruppe empfohlen. Nicht dass hier falsche Vermutungen aufkommen.)
Dankbar, weil in dem Buch Bly in wirklich allen Facetten erklärt, was bei der Entwicklung von Jungs zu Jugendlichen und Männern tatsächlich alles passiert. Und es wird auch deutlich, was Jungs brauchen, was eine „gute“ Entwicklung ausmacht und was in den heutigen Zeit im Vergleich zu früher vielleicht auch fehlt. Und mit früher ist hier gemeint, wie eine solche Entwicklung vielleicht vor 100, 500 oder mehr Jahren ablief.
Dies alles schreibt Bly über große Strecken sehr anschaulich in guten Bildern (was durch den Märchenbezug an sich ja schon gegeben ist) und verständlicher Sprache. Manchmal ist es mir, insbesondere im Mittelteil des Buches, etwas zu langatmig geraten. Die gleichen Infos hätten sicher auch in 50 Seiten weniger gebracht werden können. Aber insgesamt tut dies dem Erkenntnisgewinn natürlich keinen Abbruch.
Ich hatte viele erhellende Aha-Effekte und vieles regt zum Nachdenken an. Zum Nachdenken über die eigene Entwicklung, die Rolle als Sohn, als Junge, aber genauso natürlich auch als Vater und Partner. Darüber welche Phasen dieser Mannwerdung man tatsächlich auch durchlaufen hat, wie diese sich angefühlt haben und ob man sie auch noch bewusst nachvollziehen kann. Also eine schöne oder manchmal vielleicht auch nicht so schöne Reise in die eigene Vergangenheit.
Dementsprechend sei das Buch wirklich jedem Mann ans Herz gelegt, dem daran gelegen ist, etwas Licht in das manchmal eventuell vorhandene Dunkel der eigenen Entwicklung zu bringen. Gleichzeitig kann es einem in seiner Rolle als Vater auch helfen die Entwicklung der eigenen Söhne etwas besser zu verstehen. Aber natürlich gilt dies auch unbedingt für die Mütter von diesen Söhnen. Vieles wird nach dem Lesen vielleicht auch für Mütter klarer und lässt das Verständnis für manch seltsame Chemie zwischen Vätern und Söhnen verstehbar(er) werden und wieso manche Männer bestimmte Entwicklungen durchleben. Und mir geht es beim Wort “Verständnis” nicht um “Entschuldigen”, sondern vor allem um “Verstehen” und in diesem Sinne gelten meine Worte vom Beginn des Abschnittes oben wieder.
Was ein schöner Nebeneffekt dieses Buches ist: Ab jetzt wird man kein Märchen mehr „einfach so“ lesen und denken, was für eine nette Geschichte. Märchen sind scheinbar echte Menschengeschichte!
LIFESTYLE & KULTUR - Das Schöne
Jetzt geht es um Lifestyle, wie der erzeugt und auch erlebt wird. Das kann man nämlich bestens bei meiner heutigen Empfehlung mitverfolgen.
“Being Gordon Ramsay” ist eine 6-teilige Netflix-Dokumentation, die im Februar 2026 Premiere hatte. Ich fand die super spannend und wir haben die relativ schnell hintereinander “weggeschaut”. Sie begleitet den englischen Starkoch Gordon Ramsay hinter den Kulissen, zeigt seinen stressigen Alltag und bietet auch Einblicke in sein Familienleben. Man sieht ihn als echt hyperaktiven Geschäftsmann agieren, aber auch als Vater seiner erstaunlich kinderreichen Familie.
Ich mag ja tolle Restaurants und gutes Essen. Zwar geht es in der Serie nicht um das Essen an sich. Aber sie zeigt sehr gut, was alles dazu gehört, um ein absolutes “High End” Restaurant (und high ist hier wörtlich zu verstehen) mitten in London völlig neu zu entwickeln und aufzubauen und am Ende erfolgreich zum Leben zu erwecken. Unglaublich, wieviel Organisation und Stress dahinter steckt und wieviel Druck letztendlich auch. Druck selbst für so mega erfolgreiche Menschen wie Ramsay, der faktisch Tag und Nacht dafür kämpft, dass dieses schon fast etwas größenwahnsinnige Projekt (Eröffnung von gleich fünf verschiedenen Gastronomie-Konzepten im Wolkenkratzer 22 Bishopsgate London) ein Erfolg wird.
Nach dem Schauen war ich inspiriert. Weil es einfach zeigt, dass Erfolg doch immer wieder mit Fleiß und Engagement zusammenhängt und nicht zufällig ist. Und auch inspiriert, unbedingt irgendwann mal in London in eines dieser tollen Restaurants essen zu gehen. Allerdings muss ich wohl die Zeit bis dahin noch gut nutzen, um entsprechend zu sparen. Und damit kommen wir zu . . .
WERTE & FINANZEN - Relevantes vom Markt*
Wir verpassen nach wie vor nicht so viel am Markt. Also das heißt nicht, dass grad nichts passiert. Ganz im Gegenteil. Es ist extrem volatil durch den immer noch anhaltenden Iran-Krieg. Doch es macht aus meiner Sicht aktuell noch keinen Sinn, in neue größere Investments einzusteigen. Obwohl aktuell viele Qualitätsunternehmen so niedrig bewertet sind, dass meine Watchlist mehr und mehr anwächst. Aber der richtige Boden ist glaube ich noch nicht gefunden.
Da ich letzte Woche über die Rolle von Gold als sogenannten “Safe Haven” im FIAT-System gesprochen habe, stellt sich nun die praktische Frage: Wie kauft man Gold eigentlich am besten? Und wie angekündigt, zeige ich Euch nun drei gängige Wege auf, die je nach eurem individuellen Anlegertyp Sinn ergeben können:
1. Physisches Gold (Barren & Münzen) Der Klassiker. Du kaufst echtes Gold bei einem Edelmetallhändler oder am besten auch sehr gut über Deine Bank/Sparkasse und legst es in den Tresor oder ins Schließfach.
Vorteil: Du hast einen echten, physischen Sachwert in der Hand – unabhängig vom Bankensystem. Nach einem Jahr Haltefrist sind Gewinne zudem steuerfrei.
Nachteil: Lagerung kostet Gebühren (Schließfach) oder birgt ein Diebstahlrisiko zu Hause. Zudem muss man auch eine Handelsgebühr an den Händler oder die Bank bezahlen, die relativ hoch ist. Lohnt sich aus meiner Sicht nur, wenn man das Gold langfristig behalten will.
2. Gold-ETC (Exchange Traded Commodities) Das ist für die meisten Anleger der bequemste Weg über die Börse. Ein ETC bildet den Goldpreis 1:1 ab.
Vorteil: Du handelst Gold so einfach wie eine Aktie in deinem Depot. Das Gold ist bei seriösen Anbietern physisch hinterlegt, und du hast oft sogar einen Auslieferungsanspruch.
Nachteil: Eigentlich keiner, außer dass man es eben nicht direkt bei einem wirklichen worst-case-Szenario zu Hause liegen hat.
(Siehe unten meinen etwas ausführlicheren Tipp zu ETCs.)
3. Goldminen-Aktien oder ETFs Hier kaufst du keine Edelmetalle, sondern Anteile an Unternehmen, die Gold fördern (z.B. Barrick Gold).
Vorteil: Diese Aktien wirken oft wie ein Hebel auf den Goldpreis. Steigt Gold um 10%, steigen Minenaktien oft deutlich stärker.
Nachteil: Du trägst das volle unternehmerische Risiko eines Anteilseigners an einem Unternehmen (Managementfehler, Streiks, Produktionsausfälle etc.). und es ist eben kein direkter Besitz des Edelmetalls.
Mein Fazit: Für die reine Absicherung des Vermögens bevorzuge ich eine Mischung aus physischen Münzen (für den absoluten Notfall) und kostengünstigen ETCs im Depot für die Flexibilität.
Und hier nun der Steuer-Tipp zu ETCs:
Viele wissen nicht, dass es mit ETCs sozusagen einen “goldenen Weg” gibt, der steuerlich fast unschlagbar ist. Der Xetra-Gold ETC (WKN: A0S170) ist hierfür das Paradebeispiel:
Da das Gold physisch in den Tresoren der Clearstream Banking AG in Frankfurt hinterlegt ist und du theoretisch einen Auslieferungsanspruch hast, wird es steuerlich wie physisches Gold behandelt.
Wenn du deine Anteile länger als ein Jahr hältst, sind die Gewinne beim Verkauf für Privatanleger in Deutschland komplett steuerfrei (für Aktien ist das vor vielen Jahren leider abgeschafft wurden). Die Abgeltungssteuer von 25% (plus Soli) entfällt hier also völlig legal.
Im Vergleich zu einem normalen Gold-Fonds oder ETF sparst du hier am Ende massiv Geld, das sonst beim Staat landen würde.
Achtet also beim Kauf unbedingt darauf, dass der ETC physisch hinterlegt ist. Neben Xetra-Gold gilt dies beispielsweise auch für Euwax Gold II (WKN: EWG2LD).
Bleibt also weiter geduldig und nutzt kommende schwache Tage für den schrittweisen Aufbau eurer Positionen.
MUSIK - Tipps zum Tanzen und Hören
Naja, nicht so schwer das für heute zu Erraten, oder? Es ist natürlich ein Song von “Divine Comedy”. Ich hab mich echt schwer getan, mich zwischen zwei meiner absoluten Lieblingsliedern zu entscheiden. Letzten Endes ist es das hier geworden. Neben der Geschichte, die erzählt wird, ist es vor allem die Art wie der Song hinten raus immer orchestraler und mächtiger wird.
Zudem ist heute auch noch Ende des Monats. Also gibt es als Bonus für euch noch Oscillars MusicRadar mit den für mich 10 besten Songs im März.
Ich hoffe, ihr habt wieder einige schöne Minuten mit mir gehabt und ich wünsche Euch von Herzen einen guten Start in die Woche.
*Ein kleiner Nachtrag in eigener Sache (Disclaimer): Ich teile hier meine persönlichen Gedanken und Investitionen. Dies ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Märkte sind unberechenbar, und Investitionen sind immer mit Risiken verbunden. Bitte bilde dir immer deine eigene Meinung und investiere nur Geld, dessen Verlust du dir im schlimmsten Fall leisten kannst.





