Oscillars Radar N°18/26
Deutschland ein Sommermärchen?
Naja, wir stehen noch am Anfang. Allerdings das mit dem Sommer ist zumindest Realität aktuell. Fast schon ein bisschen viel, oder was meint ihr?! Andererseits ist mir es so lieber als kalt und Regen. Da ihr und ich bei solchen Temperaturen ja meist auch noch andere Dinge zu tun haben (zumal es ja die ganze Woche so bleiben wird), werde ich heute hier für euch überschaubar bleiben.
PERSÖNLICHES - Mein Highlight
Manchmal ist es ja nicht nur “das eine”, was mich jeweils über die Woche positiv stimmt. Und es sind auch nicht immer die ganz großen Dinge des Lebens, über die ich erfreulicherweise letzte Woche hier berichten konnte. Es sind oft die kleinen Dinge, die ich gern mal wahrnehme, um mich auch selber positiv zu stimmen. Das ist in manchen Zeiten schwieriger, auch die jeweilige Lebenssituation spielt da sicher oft eine Rolle. Aber wir können das schon auch etwas steuern und entscheiden selber worauf wir den Fokus unserer Aufmerksamkeit richten (ein cooles Thema, was ich mir mal für einen der nächsten Radare vornehme).
So fand ich die Leistung unserer Mannschaft gestern bei der Fußball-WM letzten Endes doch echt gut. In der ersten Halbzeit hatte man ja tatsächlich Bedenken, dass sie bei dem ein oder anderen Angriff der Ivorer (das Wort wollte ich schon immer mal schreiben) unter die Räder kommen nach dem 0:1. Aber in der letzten halben Stunde kam durch die echt guten Einwechslungen Deutschland doch noch gut ins Spiel und mit den beiden Toren von Deniz Undav haben sie aus meiner Sicht zurecht gewonnen. Was können wir, was kann Deutschland, aus den beiden Aktionen von ihm lernen? Einfach mal machen!
Und das führt mich zum zweiten positiven Thema der Woche. Die 30 Vorschläge der von der Bundesregierung eingesetzten Rentenkommission. Mir geht es da grad weniger um eine inhaltliche Diskussion. Wie immer wird es daran gute und weniger gute Aspekte geben. Aber was ich bemerkenswert finde und was wir in Deutschland zuletzt ja eher selten gesehen haben. Die Kommission hat ihre Ergebnisse tatsächlich VOR dem eigentlich vorgesehenen Termin vorgelegt. Außerdem war die Kommission paritätisch, also von Experten beider Koalitionspartner in gleicher Zahl besetzt. Und trotzdem konnten sie sich nach außen einstimmig auf die 30 Vorschläge einigen. Auch das wirklich bemerkenswert. Hervorheben will ich dabei zumindest einen Vorschlag: die Einführung einer kapitalgedeckten Zusatzrente nach schwedischem Vorbild. Ich habe mich hier ja schon einige Male dazu geäußert, dass wir nicht umhin kommen werden, unsere Renten durch Kapitalanlagen (und seien sie noch so klein) zu ergänzen. Das beschriebene Modell, welches auch durch Arbeitgeber und Staat gefördert werden soll, ist ein wirklich guter Ansatz dafür. Nun müssen in der kommenden Woche “nur noch” die Politiker der Koalition ausnahmsweise mal eine ähnliche Einigkeit zeigen wie die von ihnen eingesetzten Experten. Hoffen wir auch hier das Beste.
Also um auf den heutigen Untertitel zurückzukommen. Das alles, sowohl die Leistung der deutschen Fußballer wie auch die Ergebnisse der Rentenkommission, sind jetzt nicht gleich märchenhaft. Aber vielleicht ist das alles ja zumindest der Anfang einer guten Geschichte.
IMPULSE - Inspirationen für Kopf, Körper, Seele
Chinas Rolle in der Welt verändert sich in den letzten Jahren aus meiner Sicht enorm. Perspektivisch wird das Land wohl der einzig ernstzunehmende Gegenspieler der USA werden. Russland sehe ich zukünftig nicht mehr in dieser Rolle. Wirtschaftlich sind sie trotz ihrer Reichtümer sowohl im Agrarbereich wie auch bei den Bodenschätzen nicht in der Lage, sich entsprechend weiter zu entwickeln. Ich bin jetzt kein Russland-Kenner. Aber aus Reisen in meiner Jugendzeit und auch vielen Dienstreisen während meines ersten Jobs kenne ich das Land und die Leute ein wenig und sehe die Politik dort wie auch die kulturellen Eigenschaften des Landes als nicht geeignet an, den Amerikanern oder Chinesen Paroli bieten zu können.
Aus allem was ich aus China höre und mitbekomme, leider nur durch andere, die häufiger vor Ort sind, und Berichten und Reportagen, scheint mir dort eine Entwicklung stattzufinden, die einerseits faszinierend andererseits natürlich auch etwas beängstigend ist. Das Entwicklungstempo und die Konsequenz der Umsetzung wirtschaftlicher Maßnahmen ist beeindruckend. Und beeindruckend meine ich nicht zwingend positiv. Aber um das Land besser zu verstehen, habe ich mal wieder ein Buch hervorgekramt, welches ich vor einigen Jahren gelesen habe. Es heißt “Die Sterblichen” und die Autorin ist Yiyun Li.
Ich weiß gar nicht mehr, woher ich die Empfehlung hatte. Irgendwo stand geschrieben, dass es ein tolles Buch ist. Und das ist es tatsächlich!
Es handelt in China und spielt Ende der 70er Jahre, in der postmaoistischen Zeit. Sollte es nur ansatzweise realistisch die damaligen Bedingungen in China widerspiegeln, so führt es jemanden wie mich, der sich bisher noch nicht wirklich mit diesem Land und insbesondere dessen Kultur beschäftigt hat, zu echtem Erstaunen bis Erschrecken. Es ist wirklich unbegreiflich, unter welchen Bedingungen die Leute dort lebten, in einer Zeit, in der in Deutschland schon alle möglichen Luxusgüter und -lebensbedingungen existierten. Und vermutlich gibt es in den ländlichen Regionen und Randgebieten der großen Städte Chinas durchaus heute noch vergleichbare Bedingungen.
Aber was noch viel bemerkenswerter für mich ist und in dem Buch deutlich beschrieben wird, mit welcher unglaublichen Brutalität und Menschenfeindlichkeit sowohl in der maoistischen Zeit wie auch danach mit dem chinesischen Volk umgegangen wurde. Sicher kann man das nicht verallgemeinern, aber in den im Buch geschilderten Fällen wird das schon sehr deutlich. Jedoch ist das erstaunlichste daran nicht, dass so etwas gemacht wurde. Da gibt es leider ja überall in der Welt und nicht zuletzt in Deutschland genügend Beispiele. Die Art und Weise wie die Chinesen dieses Leid jedoch ertragen, zum Teil selbst als Opfer sogar rechtfertigen, ist für mich schwer zu verstehen bzw. nachzuvollziehen.
Leider weiß ich zu wenig über das Land, dessen Geschichte und Kultur, um mir darüber eine gute Meinung bilden zu können. Mich würde einerseits interessieren, wieso die herrschenden Mächte jeweils scheinbar mit ziemlich brutalen Methoden die Macht erhalten können (irgendwie fand ich diese Brutalität, auch wenn das jetzt vielleicht blöd klingt, schon in den Samurai-Filmen meiner Kindheit und Jugend bemerkenswert). Und das ist ja schon seit ewigen Zeiten so. Zum anderen ist es natürlich interessant, dass scheinbar ein Großteil des chinesischen Volkes diese Dinge auch schon seit Jahrhunderten erträgt und durchaus als gerecht empfindet (oder auch nicht und es trotzdem erträgt?!).
Sollte einer von euch hierzu gute weiterführende Literaturhinweise geben können, die mir bei der Beantwortung der Fragen helfen, wäre ich sehr dankbar.
Auf jeden Fall kann ich jedem „Die Sterblichen“ empfehlen. Es ist fesselnd geschrieben und erschüttert zutiefst in der Normalität der Traurigkeit und täglichen Gewalt.
(Hier ein Podcast vom SRF explizit zum Buch, für alle die lieber hören.)
LIFESTYLE & KULTUR - Das Schöne
Vor zwei Wochen hatten meine geliebte Partnerin und ich mal wieder eine Date-Night. Wir nehmen uns das regelmäßig fest vor, um einfach den Gefahren des Alltäglichen etwas entgegenzusetzen und dann gemeinsam etwas besonderes nur für uns beide zu machen. Das kann mal Kino, ein Kurzurlaub oder ein Fine-Dining sein. Letzteres haben wir uns dann eben vor 2 Wochen gegönnt.
Wir haben uns einen Tisch im “Elements” in Dresden reserviert, zum ersten Mal im Sterne-Restaurant. Das “Elements” hat daneben auch ein gehobenes, normales Restaurant (das Deli) im gleichen Gebäude. Da waren wir schon häufiger und immer super zufrieden. Deswegen stand der Genuss des Sterns schon lange mal auf dem Plan.
Das “Elements” (offiziell: elements DELI RESTAURANT LOUNGE) liegt im Norden Dresdens etwas versteckt auf dem Gelände der Zeitenströmung - ein Gebäude aus den späten 1950ern, denkmalgerecht saniert, Industriearchitektur mit bodentiefen Rundbogenfenstern, Holzdielenboden und offener Stahlträgerdecke. Betrieben wird es von Stephan Mießner und seiner Frau Martina Starovičová-Mießner, die hier seit 2014 ununterbrochen den Stern halten. Er leitet die Küche, sie kümmert sich um die Gäste. Gekocht wird regionale hochwertige Küche mit Weltläufigkeit, wählbar als Chefmenü oder à la carte zusammengestellt.






Wir hatten einen wirklich schönen Abend dort und sowohl die Speisen wie auch die von uns dazu ausgewählte Weinbegleitung waren wunderbar und die Weine sehr gut passend zu den Gerichten. Einzig am Anfang zog sich der Start ein wenig zu lang hin. Das lag wohl daran, dass parallel eine größere Tafel mit einer Hochzeitsfeier parallel bedient werden musste, was alles ein wenig verzögerte. Das war aber wirklich der einzige kleine Kritikpunkt. Man sitzt sehr schön mit ausreichend Platz zwischen den Tischen und wunderschöner Blumendeko im ganzen Restaurant. Der Service war nett und zuvorkommend. Eine echt schöne Date-Night, die wir dort sicher wiederholen werden.
Übrigens kann man alternativ auch ins Deli, das, wie oben erwähnt, direkt an das eigentliche Sterne-Restaurant angeschlossen ist. Während das Restaurant am Abend die klassische Sterneküche anbietet, ist das Deli tagsüber eher die unkomplizierte, lässige Variante im selben Loft-Gebäude – perfekt auch mal für einen Business-Lunch, zwar ohne Stern, aber mit demselben Qualitätsanspruch wie das Restaurant.
WERTE & FINANZEN - Relevantes vom Markt*
Diese Woche habe ich genutzt, um nun für das hier von mir für euch geführte Musterdepot ein gesondertes Konto bei der ING-Bank zu eröffnen. Ich hatte unsere bisherigen Käufe ja über meine für mich privat genutzten Konten getätigt. Nachteil davon ist, dass ich das Reporting für euch dadurch nicht ganz sauber automatisch in Parqet abbilden kann. Dividenden musste ich beispielsweise händisch dort eintragen, da ich sie nicht von den anderen Importen trennen konnte. Da die ING-Bank ursprünglich als erste Bank mit Parqet zusammengearbeitet hat bei den automatischen Importen, ist abgesichert, dass alles gut funktioniert. Außerdem werde ich nun also ab sofort ausschließlich das Musterdepot bei der ING führen. Damit ist alles sauber abbildbar und ich kann euch absolut 1:1 alles in Parqet spiegeln. War ein wenig Aufwand, da ich die Aktien nun auch erst zur ING übertragen muss. Das machen die abgebenden Banken immer gern etwas kompliziert, aber davon ließ ich mich nicht abschrecken. Die Transparenz ist es wert. Normalerweise dauert der Übertrag nicht mehr als zwei Wochen. Dann zeige ich euch den aktuellen Stand bei Parqet. Freue mich auch, weil dann wirklich alles automatisch vom Depot in Parqet upgedated werden kann.
Bei unserem Depot selber ist nicht so viel passiert. Nachdem SAP gut gestartet ist, kamen die Software-Aktien wieder etwas unter Druck, weil Anthropic mit einer neuen KI-Claude-Version für Bedenken gesorgt hat. Aber ich teile diese Bedenken langfristig nicht. Also auch wenn wir grad leicht im Minus sind bei SAP, bleibt entspannt. Unsere beiden anderen Anlagen Microsoft und Target sind dagegen bestens im Plus und wenn ihr investiert seid, dann habt ihr es bemerkt. Es gab die ersten Dividenden auf die beiden Aktien. Immer ein schöner Moment finde ich.
Einige von euch haben mich zu meiner Meinung zu dem SpaceX Börsengang befragt. Das ist Elon Musks Weltraum-Raketen-Firma, die letzte Woche an die Börse gegangen ist. Es war der größte Börsengang in der US-Geschichte (hier gute Infos dazu auf der Seite von ExtraETF). Der ein oder andere hat vielleicht Aktien im Vorfeld zeichnen können bei seiner Bank. Dann war es sicher ok, dies mitzunehmen. In den ersten Tagen stieg die Aktie um ca. 40%. Meiner Meinung nach sollte man sie nun verkaufen. Sie ist aktuell aus meiner Sicht eher stark überbewertet. Wieso und weshalb das so ist, könnt ihr in einem speziell darauf bezogenen Finance-Podcast von Pioneer Briefing erfahren. Da ich dort Abonnent bin, kann ich euch kostenfrei einen Link dazu schenken.
Ich habe mir spontan überlegt, dass ich denjenigen einen freien Zugang zu dem speziellen SpaceX-Börsengang schenke, die mich frisch abonnieren bzw. wenn ihr schon Abonnenten seid, einer anderen Person Oscillars Radar empfehlt.
Was haltet ihr davon?
Übrigens: Bei dem zuletzt vorgestellten ETF halte ich mich noch mit einem Kauf zurück. Ich warte hier eher auf einen Rücksetzer der Märkte. Dann schlagen wir zu. Genießt den Sommer und lasst euch nicht von den Anlagen stressen. Wir haben Zeit.
MUSIK - Tipps zum Tanzen und Hören
Heute möchte ich die Gelegenheit nutzen, euch einen Substackler vorzustellen, den ich seit einiger Zeit abonniert habe und mich jedes Wochenende über seine Musikempfehlungen freue. Er heißt Claas-Hendrik Berg und der Titel seiner Homepage ist sehr passend zu seinen Empfehlungen “The Art of Making Feierabend”. Schaut euch dort gern um, es gibt ganz viel zu entdecken.
Zuletzt habe ich mir die Playlist “Urban Beach Vibes” von ihm auf Spotify abgespeichert. Und für alle euch da draußen, die grad in den Städten in heißen Wohnungen sitzen müssen (Grüße gehen u.a. nach Wien), öffnet eure Fenster oder setzt euch irgendwo draussen in den Schatten, dazu ein schönes kühles Getränk und diese Playlist aufs Ohr. Vielleicht spürt ihr dann eine leichte und erfrischende Brise durch die Haare und über eure Haut wehen.
Die Liste geht fast 5 Stunden. Damit überstehen wir die 35 Grad in den nächsten Tagen. Kommt gut durch, genießt die Sonnenstrahlen und behaltet kühlen Kopf.
*Ein kleiner Nachtrag in eigener Sache (Disclaimer): Ich teile hier meine persönlichen Gedanken und Investitionen. Dies ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Märkte sind unberechenbar, und Investitionen sind immer mit Risiken verbunden. Bitte bilde dir immer deine eigene Meinung und investiere nur Geld, dessen Verlust du dir im schlimmsten Fall leisten kannst.






